Jeder, der zu Hause eine kleinen Garten hat und Gemüse oder Obst züchtet, weiß, dass nicht alle Stängel gerade und nicht alle Oberflächen der Früchte einwandfrei sind. Das was für viele die Einzigartigkeit des Lebensmittels darstellt, ist für Händler und Lebensmittelkonzerne ein Makel und führt dazu, dass einwandfreies Obst und Gemüse im Müll landet. Ein Start-up aus dem 3D-Druckbereich verspricht nun Abhilfe gegen die Lebensmittelverschwendung.

Enormes Problem entsorgter Lebensmittel

Genießbare Lebensmittel, die im Müll landen, sind ein globales Problem. Die Zahlen sind beträchtlich, allein in den USA werden laut Schätzungen des USDA zwischen 30 und 40 Prozent der Nahrungsmittelversorgung so verloren. In Deutschland sind es ca. 18 Tonnen pro Jahr noch genießbare Lebensmittel, die einfach im Müll landen. Meist ist nicht liegt keine mangelnde Qualität oder eine tatsächliche Beeinträchtigung für die Ursache des Wegwerfens vor, sondern einfach die Tatsache, dass das betreffende Obst und Gemüse ästhetisch nicht den Ansprüchen der Industrieländer entspricht. Eine zu krumme Gurke, sogenannte “Augen” als Auswüchse an der Oberfläche von Kartoffeln oder eine schrumpelige Haut des Apfels, das alles beeinträchtigt zwar so manches Auge, aber sicher nicht den geschmacklichen Genuss.

3D-Druck schafft Abhilfe

Die innovative Methode des 3D-Drucks findet grundsätzlich immer häufiger Anwendung im Bereich der Ernährung. Die Palette der bereits herstellungsfähigen Lebensmitteln ist groß und reicht von Schokolade bis hin zu Brot oder Leberwurst. Das Ganze ist allerdings ein ziemlich aufwändiger Prozess, da es nicht nur auf die richtige Technik ankommt, sondern auch auf die perfekte Temperatur und die optimale Druckgeschwindigkeit. Während cremige Konsistenzen durchaus bei Raumtemperatur hergestellt werden können, darf die Druckmasse bei anderen keinesfalls zu heiß sein. Sonst kann sie flüssig werden und damit besteht die Gefahr, dass der Druckstang reißt. Wird Schokolade per 3D-Druck erzeugt, muss die Düse im Druckgerät so langsam bewegt werden, dass die Schokomasse zwischendurch aushärten kann.

Start-up macht Lebensmittel per 3D-Druck schöner

Die genannten Prinzipien des 3D-Drucks von Lebensmitteln hat ein südafrikanisches Start-up weiter entwickelt und zwar in die Richtung, dass durch die innovative Technik Nahrungsmittel quasi schöner und in eine ansprechende Form gebracht werden. Das Gerät heißt Salad 2.0. und gilt als vielversprechender Lösungsansatz, um der Lebensmittelverschwendung Einhalt zu gebieten. Denn es wird nicht ein komplett neues Lebensmittel hergestellt, sondern ein bereits bestehendes nur in Form gebracht, um weiter verwendet oder verkauft zu werden. Es handelt sich bei Salad 2.0 um den ersten derartigen Drucker in Südafrika, das ebenfalls unter dem Problem der Lebensmittelverschwendung massiv leidet. Basis für die Entwicklung des einmaligen 3-Druckers war unkonventionell aussehendes Obst und Gemüse, das normalerweise in der Tonne oder maximal als Pürree auf dem Teller landet. Nach einem ausgiebigen Kochvorgang wurde Gelatine beigemengt. Damit war das Konzentrat in einen Mix aus farbenfrohen Geleeformen, die dreidimensional aufgebaut sind, druckreif. Die daraus entstehenden Obst- und Gemüsestücke weisen den kompletten vielfältigen Nährstoffgehalt auf, sind aber optisch wesentlich überzeugender als die Ausgangsprodukte.

3D-Druck als Lösung für das Müllproblem?

Auch wenn grundsätzlich noch viele Personen ein Problem mit der Vorstellung haben, dass Lebensmittel aus dem 3D-Drucker kommen, ist die Aussicht, so den Müllberg eindämmen zu können, eine sehr positive. Immerhin verändert sich weder der Geschmack noch der gesunde Nährstoffgehalt der verarbeiteten Produkte. Und gerade in Ländern wie Südafrika, wo Arm und Reich sehr nahe beisammen liegt, gilt es, Obst- und Gemüsepflanzen nicht allein wegen ihres Äußeren entsorgen zu wollen. Auch hierzulande in Deutschland wird die Diskussion um ästhetisch nicht entsprechende Lebensmittel mittlerweile aktiv geführt. Es erfordert aber nicht nur ein Umdenken der Konsumenten, sondern vor allem der Konzerne und Lebensmittelhändler. Auch wenn rote Äpfel und gerade Gurken sich in den Regalen besser machen oder sich einfacher schlichten lassen, ist es angesichts der zahlreichen Hungersnöte auf der Welt nicht angebracht, Essbares einfach wegzuwerfen. Salad 2.0 von Studio H ist hier eine Innovation, die es zu durchdenken gilt und die durchaus eine Chance verdient hat.


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