Ob in der industriellen Anwendung oder im privaten Bereich – die 3D-Druck Technologie ist erwachsen geworden. Mit ihren neuen Anwendungsmöglichkeiten öffnet sie aber auch die Tür für Missbrauch und Produktpiraterie.

Als 3D-Druck bezeichnet man das Ausdrucken 3-dimensionaler Objekte auf Grundlage einer digitalen Druckvorlage. Diese wird in einem CAD (Computer Aided Design) Programm erstellt und kann als Datei gesichert überall dort ausgedruckt werden, wo entsprechende 3D-Druck Hardware und Materialien zur Verfügung stehen. Die dazu benötigten Drucker sind nicht nur für industrielle Anwendung erhältlich. Im Preissegment um 500EUR werden bereits Modelle für den privaten Bereich angeboten.

Problematik der Produktpiraterie

Für industrielle Anwender und Designer bringt diese Flexibilität Chancen und Risiken. Das Einsparen von Kosten für Herstellung, Lagerung und Transport sowie der Wegfall von Lieferzeiten bieten Raum für neue Geschäftsideen und Distributionsmöglichkeiten.

Auf der anderen Seite ist im digitalen Zeitalter mit der Verbreitung über Onlinehandel im Internet ein Vorgehen gegen Missbrauch und Produktpiraterie kaum möglich. Das Kopieren von Objekten (in der Industrie Werkstücke genannt) ist heute einfacher denn je. Digitale Druckvorlagen werden bereits im Internet gehandelt und können zur Herstellung von Plagiaten oder zur Erlangung von Wettbewerbs-Knowhow genutzt werden. Und wenn keine CAD Datei zur Verfügung steht, kann ein Werkstück mit Hilfe von 3D-Scannern kopiert werden.

Rechtliche Situation

In Deutschland ist die Herstellung und Verbreitung von Werkstücken im Urheberrecht (UrhG) geregelt. Der Ersteller eines CAD-Designs besitzt das Urheberrecht an der Vorlage.

Somit ist er gemäß Vervielfältigungsrecht nach §16 UrhG vor der Erstellung von Kopien durch Dritte ohne seine Einwilligung geschützt. Zusätzlich regelt §17 des UrhG die Verbreitung vervielfältigter Werkstücke. Bearbeitung und Umgestaltung der Druckvorlage sind gemäß §23 UrhG nur mit Zustimmung des Urhebers möglich. Ausnahmen für rein private Nutzung sind im §53 UrhG definiert.

Im Fall von digitalen Vorlagen, die über das Internet verbreitet werden, gibt es im Urheberrecht allerdings Grauzonen. Diese gilt es baldmöglichst durch klare gesetzliche Regelungen zu beseitigen, um sowohl Hersteller als auch Konsumenten wirksam vor Missbrauch zu schützen.

Welche Lösungsansätze gibt es?

Analog zu den Umwälzungen in der Musikindustrie, die durch das Aufkommen digital austauschbarer Inhalte entstanden sind, müssen sich die Unternehmen auch beim 3D-Druck den Änderungen des Marktes stellen und alternative Konzepte entwickeln. Die Firmen sollten die bestehenden gesetzlichen Möglichkeiten ausschöpfen und ihre geistiges Eigentum auch auf EU-Ebene absichern. Darüber hinaus gilt es, bestehende Risiken zu verringern und die Verbreitung digitaler Druckvorlagen wirksam zu verhindern. Themen wie Cyber Security und Abwehr von Hackerangriffen spielen hier eine zentrale Rolle. Eine weitere wirksame Maßnahme kann eine Anpassung der Geschäftsmodelle sein. Anstatt das Feld den Produktpiraten zu überlassen, sollten Unternehmen eine Strategie entwickeln, wie sie ihre digitalen Vorlagen über geeignete Onlinemarktplätze vertreiben können.

Einen anderen Weg gehen Firmen, die an Technologien arbeiten, um die Echtheit von 3D-gedruckten Produkten mit zerstörungsfreien Verfahren zu überprüfen. 3D-Druck Solingen bietet in Zusammenarbeit mit dem Messtechnikspezialist Diplom-Ingenieur Christian Klostermann einen 3D-Röntgen-Scan an, mit dem sich die Echtheit von Werkstücken überprüfen lässt.

Mit einem chemischen Fingerabdruck arbeitet die Firma InfraTrac. Hier wird beim 3D-Druck ein zweiter Werkstoff unter der Oberfläche des Produkts als Markierung aufgetragen. Der Fingerabdruck dient als Sicherheitssiegel und kann mit Hilfe eines Spektroskops validiert werden. Die Auswahl möglicher Werkstoffe für die Markierung ist so groß, dass der InfraTrac Fälschungen für so gut wie unmöglich hält.

 


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