Neue Tests ergeben, dass die aus China stammenden Newbuilt-Kartuschen (NBD) noch stärker als bislang vermutet mit dem verbotenen und giftigen Flammschutzmittel Decabromdiphenylether (DecaBDE) belastet sind. Weitere Untersuchungen sollen rasche Klarheit bringen. Unterdessen reagieren hiesige Online-Händler sehr nervös. Sie befürchten, dass sie in ihrer Funktion als „in-den-Verkehr-Bringer“ in juristische Schwierigkeiten geraten könnten. Viele Experten befürworten unterdessen einen Einfuhrstopp für die umstrittenen Importprodukte.

China-Kartuschen: Belastet mit DecaBDE

Tests der European Toner & Inkjet Remanufacturers Association (ETIRA) zeigen, dass viele Newbuilt-Tonerkartuschen ein giftiges und gefährliches Flammschutzmittel namens Decabromdiphenylether (DecaBDE) enthalten. Schon im vergangenen September sorgte eine entsprechende Untersuchung für Aufsehen. Damals deckte die Vereinigung auf, dass viele Kartuschen den vom deutschen Umweltbundesamt als toxischen, persistenten und bioakkumilierenden bewerteten Stoff enthalten. Fachjournalisten griffen das Thema auf, sodass die Branche in heftige Debatten geriet. Auch in China wurden die Geschehnisse aufmerksam verfolgt.

Neue Tests: Kartuschen im Visier

Im Bericht vom September 2018 ging es um zwei belastete Kartuschen des Herstellers Static Control. Im neuen Jahr gab der europäische Remanufacturer-Verband ETIRA weitere Prüfungen in Auftrag. Zu diesem Zweck erwarb diese Institution über Amazon unterschiedliche Newbuilt-Kartuschen aus asiatischer Produktion. Diese Produkte übergab der Verband im Anschluss an den TÜV Rheinland/LGA, der weitere Untersuchungen vornehmen konnte. Mit den Resultaten bestärkt sich der Verdacht, dass viele Kartuschen aus chinesischer Herstellung den gefährlichen Stoff enthalten.

Vier von fünf Newbuilt-Kartuschen, die vor kurzem durch den TÜV geprüft wurden, enthielten DecaBDE in sehr hohen Konzentrationen, wobei die Werte zwischen 2.000 und 17.000 mg/kg betrugen. Unter den betroffenen Produkten befand sich eine Kartusche der Marke Bubprint sowie eine Patrone der Marke Prestige Print, die über Amazon-Händler zum Verbraucher gelangen. Außerdem waren Patronen der Marken Koala und Yellow Yeti mit dem giftigen Stoff verunreinigt. Leider gab die ETIRA nicht bekannt, welcher chinesischer Hersteller die jeweiligen Kartuschen produzierte.

Giftige Patronen: Skandale um Kartuschen

Experten sprechen aufgrund der neusten Erkenntnisse und der Vielzahl der betroffenen Produkte von einem handfesten Skandal, für den höchstwahrscheinlich nur wenige Hersteller verantwortlich sind. Schließlich gab es auf dem chinesischen Markt eine stärkere Konzentrierung, sodass die Kartuschen von einem einzigen Hersteller stammen könnten. Nach Ansicht von Volker Kappius, dem Sprecher des Netzwerkes der Deutschen Kartuschen Wiederaufbereiter (DKWU), stammen zwischen 60 und 80 Prozent der Kartuschen vom Hersteller Huiwei.

Chinesische Lieferanten: Misstrauen wächst

Bislang existiert kein finaler Beweis, dass der chinesische Produzent tatsächlich die Gehäuse der belasteten Kartuschen lieferte. Aufgrund der hohen Marktanteile von Huiwei ist es aber wahrscheinlich, dass der chinesische Anbieter zumindest Komponenten für die mit dem schädlichen Stoff belasteten Patronen stellte. Nach ihren Untersuchungen glauben die ETIRA-Experten, dass es sich um ein Flächenproblem handeln könne, für das auch Huiwei verantwortlich sei. Es bleibt aber abzuwarten, was weitere Untersuchungen zum umstrittenen Zulieferer ergeben, der im Zentrum des durch die ETIRA-Tests entstehenden Kartuschen-Skandals steht.

Unterdessen verstärkt sich die Unsicherheit bei deutschen Händlern, die sich auf den Vertrieb der China-Kartuschen spezialisierten. Vor allem die großen Anbieter, die Plattformen wie Amazon oder eBay zum Verkauf der billigen Patronen nutzen, sind in Sorge. Schließlich befürchten diese Online-Händler, dass sie als In-den-Verkehr-Bringer der DecaBDE-Kartuschen in Haftung geraten. “Wir Händler sind in großer Besorgnis”, bestätigt ein Insider im Gespräch. “Leider beantworteten unsere chinesischen Partner nicht alle Fragen”, bestätigt dieser Eingeweihte. Stattdessen hätten deutsche Online-Shops erneut Dokumente erhalten, die lediglich die REACH- und RoHS-Konformität der Patronen bestätigten.

China-Patronen: Weitere Untersuchungen angekündigt

Mehrere Remanufacturer kündigen unterdessen weitere Untersuchungen an. So erwarb der deutsche Anbieter WTA in den vergangenen Wochen verschiedene Patronen über andere Online-Händler. Die zwölf Newbuilt-Kartuschen übergab der Hardcopy-Spezialist ebenfalls an den TÜV Rheinland/LGA. Baldige Untersuchungen sollen darüber aufklären, ob weitere Patronen vom Skandal betroffen sind. Unabhängige Spezialisten befürchten, dass sich ebenfalls eine Belastung durch das toxische Flammschutzmittel ergibt. Finale Ergebnisse der TÜV-Untersuchung stehen aber noch aus.

Letztendlich geht es um die gesundheitliche Gefährdung von europäischen Verbrauchern, die aufgrund der niedrigen Preise zu den vergifteten China-Kartuschen greifen. Leider wissen nicht alle Verbraucher um den aktuellen Skandal. Nach Ansicht von Spezialisten sind daher deutsche und europäische Behörden gefragt. Sie müssen die bestehenden Gesetze endlich konsequent umsetzen. Mancher Spezialist fordert sogar, den Import von asiatischen Newbuilt-Kartuschen zumindest zeitweilig zu unterbinden. Die chinesischen Hersteller sollten zunächst den Nachweis erbringen, dass ihre Produkte nicht mit DecaBDE verunreinigt sind, bevor eine erneute Einfuhr möglich wird. Für Verbraucher kann auf Basis der vorliegenden Fakten die Empfehlung ausgesprochen werden, vorerst auf den Kauf der günstigen Import-Produkte zu verzichten und auf die Originale der Hersteller zurückzugreifen. Alternativ bieten einige Anbieter auch rebuilt Toner aus deutscher Produktion. Kunden können hier davon ausgehen, dass die Produkte den hohen Qualitätsstandards entsprechen und keine Gesundheitsgefährdung durch giftige Flammschutzmittel wie Decabromdiphenylether (DecaBDE) Belastungen vorliegen.


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