Ein schnelles Internet ist heutzutage eine fast ganz normale Sache. Aber wie steht Deutschland im internationalen Vergleich da? Diese Frage beantwortet der vierteljährliche Bericht “State of the Internet” des globalen Internetdienstleisters Akamai, der aktuell das vierte Quartal 2016 aufbereitet. Dieser Internet-Konnektivitätsbericht befasst sich mit der weltweiten Internetnutzung und behandelt die Themen Verbindungsgeschwindigkeit, mobile und stationäre Breitbandverbindungen sowie IPv4- und IPv6-Verbindungen. Die Basis des Berichts bilden Daten aus der “Akamai Intelligent Platform”, deren Kernstück eine Big-Data-Software bildet. Sie liegt auf gut 230.000 Servern in über 1.600 Netzwerken in mehr als 100 Staaten. Täglich werden über die Plattform mehr als zwei Billionen Webtransaktionen verarbeitet.

 

Deutschland im globalen Vergleich nicht unter den Top 10

Mit der Verbindungsgeschwindigkeit, umgangssprachlich auch Bandbreite genannt, wird die digitale Datenmenge bezeichnet, die innerhalb einer Sekunde übertragen wird. Sie wird in Mbit/s angegeben. Um die einzelnen Regionen besser vergleichen zu können, bezieht sich der Bericht bei der durchschnittlichen Internetgeschwindigkeit ausschließlich auf IPv4-Adressen. Das Ranking umfasst 147 Staaten.

 

Mit dem Ausbau der Netze ist der mögliche Datentransfer weltweit kontinuierlich gestiegen. So galt im Jahr 2008 eine Internetgeschwindigkeit von 5 Mbit/s als schnell. Diesen Vergleichswert unterschreiten heute nur noch die Staaten ab Platz 108 im globalen Ranking, darunter beispielsweise Ägypten (Platz 142) mit einer durchschnittlichen Verbindungsgeschwindigkeit von 2,2 Mbit/s.

 

Im 4. Quartal 2016 lag der weltweite durchschnittliche Datentransfer bei 7 Mbit/s. Im Jahresvergleich zu 2015 ist das ein Anstieg von 26 Prozent. Deutschland erreichte im 4. Quartal 2016 eine durchschnittliche Verbindungsgeschwindigkeit von 14,6 Mbit/s. Damit liegt die Bundesrepublik weltweit gesehen auf Platz 25. Über eine ähnliche durchschnittliche Bandbreite verfügen Kanada (14,9 Mbit/s), Litauen (14,6 Mbit/s), Israel (14,4 Mbit/s) und Ungarn (14,3 Mbit/s).

 

Zu den europäischen Spitzenreitern im weltweiten Vergleich gehören Norwegen (Platz 2 mit 23,6 Mbit/s), Schweden (Platz 3 mit 22,8 Mbit/s) und die Schweiz (Platz 5 mit 21,2 Mbit/s). Weltweit führend bei der Internetgeschwindigkeit ist Südkorea mit 26,1 Mbit/s. Hong Kong belegt mit 21,9 Mbit/s den vierten Platz.

 

Zu den Staaten bzw. Regionen mit einer durchschnittlichen Bandbreite unter dem globalen Durchschnittswert von 7 Mbit/s gehören Staaten aus Afrika, Lateinamerika und Asien. Dabei haben Paraguay und Venezuela die niedrigsten Bandbreiten mit 1,4 bzw. 1,9 Mbit/s. Knapp unter dem globalen Durchschnittswert liegen Südafrika (Platz 80) und Indonesien (Platz 81) mit 6,6 bzw. 6,7 Mbit/s.

Deutschland im europäischen Vergleich in der Mitte (IP4v-Adressen)

Im Bericht werden 31 europäische Staaten (inkl. Russland) ausgewiesen. Deutschland (14,6 Mbit/s) belegt in diesem Ranking den 15. Platz und liegt damit im europäischen Durchschnitt. Die niedrigste Verbindungsgeschwindigkeit innerhalb der europäischen Staaten hat Zypern mit 7,1 Mbit/s. Dennoch, alle 31 Staaten liegen über dem globalen Durchschnitt von 7 Mbit/s. Frankreich hat eine durchschnittliche Bandbreite von 10 Mbit/s und belegt damit Platz 27 im europäischen Vergleich und liegt bereits deutlich unter dem europäischen Schnitt von 14,6 Mbits.

IPv6-Einführung: Deutschland liegt unter den Top 5

Beim Datenverkehr von IPv6-Adressen liegt Deutschland im globalen Ranking auf Platz fünf. So kam im vierten Quartal 2016 jede vierte Anfrage an die Akamai-Plattform von einer IPv6-Adresse. Gegenüber dem dritten Quartal 2016 ist das ein Plus von 12 Prozent. Platz 1 belegt in diesem Ranking Belgien mit einem Anteil von 47 Prozent. Auch können die Belgier beim IPv6-Datentransfer einen Anstieg von 20 Prozent gegenüber dem dritten Quartal 2016 verzeichnen. Vor der Bundesrepublik liegen, neben Belgien, auf den Plätzen zwei bis vier Griechenland (30 Prozent), die Schweiz (27 Prozent) und die USA (25 Prozent). Den größten prozentualen Anstieg im Vergleich zum dritten Quartal hat Kanada (Platz 10) mit 38 Prozent.

 

Eine wichtige Rolle bei der Einführung von IPv6 spielen die Festnetz- und Mobilfunkbetreiber. So kamen im vierten Quartal 53 Prozent der IPv6-Anfragen in der Bundesrepublik von Kabel Deutschland. Damit zählt der deutsche Dienstleister zu den Spitzenreitern in Europa, so Martin Hellmer, Regional Sales Manager Digital CER bei Akamai. Die IPv6-Anfragen von der deutschen Telekom beliefen sich laut Bericht auf 37 Prozent.

 

Zusammengefasst, lässt sich sagen, dass Deutschland bei der durchschnittlichen Breitbandgeschwindigkeit keinen Spitzenplatz einnimmt – weder im globalen noch im europäischen Vergleich. Pluspunkte kann Deutschland nur bei der IPv6-Einführung sammeln. Bleibt also noch viel zu tun, damit ein schnelles Internet in Deutschland wirklich eine ganz normale Sache wird. In einem Land wie Deutschland, welches in der Digitalen Wirtschaft zu den führenden Akteuren gehören will, gilt es hier nachzurüsten.


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