Forscher haben am MIT Lab ein neuartiges, noch schnelleres 3D Printverfahren entwickelt. “Rapid Liquid Printing” baut freischwebende Strukturen in einem mit Gel gefüllten Container schichtweise und innerhalb von wenigen Minuten auf. Unter anderem lassen sich damit Möbel im 3D Druck herstellen. Es ist nicht die einzige Revolution der letzten Monate beim 3D Druck, jedoch gilt sie wegen der bahnbrechenden Druckgeschwindigkeit als sehr bedeutsam.

 

Was leistet Rapid Liquid Printing?

Das Verfahren war in Tests im Stande, Strukturen in zehn Minuten zu erstellen, für die mit konventionellen Fertigungsmethoden 50 Stunden zu veranschlagen sind. In bestimmten Bereichen wie etwa der Möbelherstellung ist das ein Quantensprung. Die Möbelherstellung war auch die Zielrichtung der Forschung am MIT Lab, denn beteiligter Auftraggeber und Vorlagenlieferer war der Hersteller für Büroeinrichtungen Steelcase. Im Bereich der Büromöbel wechseln Trends sehr schnell. Die Möbel werden – im Gegensatz zu vielen hochwertigen Wohnmöbeln – keinesfalls für viele Jahre geschaffen. Sie sollen schnell und billig zu produzieren sein und auf Knopfdruck müssen neue Designs integriert werden können. All das sind Vorzüge des 3D Drucks. Also ließen die MIT Forscher ihren Printer in einem Container voller Gel die Strukturen frei schwebend drucken. Unter anderem konnten sie dabei bestimmte Grenzen der Schwerkraft überwinden. Chefentwickler Skylar Tibbits vom MIT und Christophe Guberan, ein Schweizer Produktdesigner, schafften den Druck einer kompletten Tischplatte in 28 Minuten. Eine andere Struktur stellten sie in 10 Minuten her, die sonst 50 Stunden für die Herstellung benötigt. Die Fachwelt ist begeistert: Yuka Hiyoshi, ein Industrial Designer von Turnstone, äußerte sich fasziniert von der Qualität. Die Objekte seien flexibel und als fast organisch zu bezeichnen, so der Experte, den auch die Geschwindigkeit sehr überraschte. Es sei sehr gut vorstellbar, dass man in Zukunft auf diese Weise großformatige Objekte statt in Tagen innerhalb von wenigen Minuten herstellen könne.

Weitere Entwicklungen im 3D Druck

Es gibt noch weitere Innovationen beim 3D Druck. IKEA bietet inzwischen die Strickmöbelkollektion IKEA IPS 2017 an. Es handelt sich um Möbel aus Rahmen und Strickware, die per vollautomatisierter 3D Maschinen hergestellt wurden. Auch Ersatzteile für ältere Produkte sollen in Zukunft durch 3D Drucker geliefert werden. Die Möbelstücke von IKEA zeichnen sich durch ihr leichtes, minimalistisches und dabei kompaktes Design aus. Es handelt sich unter anderem um einen Stuhl, bei dem an einem pulverbeschichteten Stahlrahmen 3D-gestricktes Material befestigt ist. Ähnlich gehen Adidas und weitere Textilhersteller vor. Bei Adidas basieren die “Futurecraft”-Sneakers auf 3D Druckverfahren. Auch 3DiTALY aus Mailand bietet einzigartige 3D Druck Möbel an. Hier wird der 3D Druck mit traditioneller Handwerkskunst kombiniert. Bestechend erscheint der Fachwelt vor allem das Design dieser Kreationen. 3DiTALY fing als kleines Experiment an und ist inzwischen global bekannt. Das Unternehmen bietet auch Dienstleistungen rund um den 3D Druck an, darunter Workshops und Labore. In einem Showroom in Rom können die Stücke bestaunt und auch gekauft werden. Online ist die 3DiTALY Community sehr aktiv, darüber hinaus findet der Verkauf in größeren Städten statt. Vielleicht noch faszinierender sind die Kompletthäuser von PassivDom, einer ukrainischen Firma, die nur 30.000 Euro kosten und teilweise per 3D Druck hergestellt werden. Die Fertigung ist nicht die einzige Innovation. Die Häuser sind auch autonom und intelligent. Sie verwerten hervorragend Solarenergie und sollen sogar arktischen Bedingungen standhalten. Der 3D Drucker stellt in diesem Fall den Hausrahmen her, also die Bodenplatte, die Wände und das Dach. Als Materialien kommen Kohlenstoff, Fiberglas und Polyurethan zum Einsatz.

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